Fenchel – Die "tolle Knolle" in der Naturheilkunde

Die einen lieben ihn, die andern hassen ihn: Fenchel. Als Foeniculum vulgare wird diese krautige Pflanze botanisch bezeichnet. Ihre Samen und Knollen finden in der mediterranen, aber auch in der hiesigen Küche häufig Verwendung. Das hat einen Grund: den besonderen Geschmack. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber Fakt ist, dass Fenchel sowohl in der Küche als auch in der Heilkunde eine bedeutende Rolle spielt.
Botanische Eigenschaften des Fenchels
Der Fenchel gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae, syn. Umbelliferae) und ist eine zwei- bis mehrjährige, krautige Pflanze, die bis zu zwei Meter hoch werden kann und eine rübenförmige Wurzel hat. Fenchel hat mehrfach fiederschnittige Blätter mit fägigen Abschnitten. Ihre Doppeldolden mit oft ungleichlangen Strahlen bilden gelbliche Blüten, die im Spätsommer und Herbst blühen. Die Pflanze ist leicht an ihrem charakteristischen, anisähnlichen Duft zu erkennen, der von den ätherischen Ölen in ihren Blättern und Samen stammt.
Welche Fenchelarten gibt es?
Es gibt drei Haupttypen von Fenchel: süßer Fenchel, bitterer Fenchel und Gemüsefenchel (auch als Knollenfenchel bekannt). Der hauptsächlich in Indien, Mexiko, China, Iran, Bulgarien, Syrien, Marokko und Ägypten angebaute Süßfenchel (Foeniculum vulgare var. dulce) wird hauptsächlich für seine Samen und ätherischen Öle verwendet, während der Bitterfenchel (Foeniculum vulgare var. vulgare) in Osteuropa angebaut wird. Er ist vor allem in der pharmazeutischen Industrie beliebt. Der Gemüsefenchel (Foeniculum vulgare var. azoricum) wird wegen seiner essbaren, knollenartigen Basis geschätzt.
Geschichte des Fenchels als Naturheilmittel
Die Geschichte des Fenchels in der Naturheilkunde ist lang und reich bis in die Antike zurück. Schon die alten Ägypter, Griechen und Römer kannten und nutzten Fenchel als Heilmittel. So empfahl Hippokrates, der berühmte griechische Arzt, Fenchel zur Förderung der Milchproduktion bei stillenden Müttern. Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter, schrieb über die vielen medizinischen Vorteile von Fenchel, einschließlich seiner Verwendung zur Verbesserung der Sehkraft.
Später, im Mittelalter, war Fenchel ein wesentlicher Bestandteil der Klostermedizin. Hildegard von Bingen nutzte Fenchel zur Schleimlösung bei Husten. Die Benediktinermönche kultivierten Fenchel in ihren Gärten und nutzten ihn zur Behandlung von Verdauungsstörungen, Husten und Hauterkrankungen. Im 15. Jahrhundert wurde Fenchel bereits gegen Magendrücken, Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

Verwendungen von Fenchel heute
Auch heute noch hat Fenchel seinen festen Platz in der modernen Naturheilkunde. Am bekanntesten ist sicher das Hausmittel Fenchel bei Verdauungsbeschwerden. Fencheltee, der aus den Samen der Pflanze hergestellt wird, wird traditionell bei Blähungen, Magenkrämpfen und Verdauungsstörungen getrunken. Die ätherischen Öle im Fenchel, insbesondere Anethol, wirken krampflösend und fördern die Verdauung.
In der modernen Kosmetikindustrie wird Fenchelöl häufig in Hautpflegeprodukten verwendet, um die Haut zu beruhigen und zu regenerieren. Fenchel findet hier aufgrund seiner entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften Verwendung. Diese machen ihn zu einem nützlichen Mittel zur Linderung von Entzündungen und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress.
Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet ist die Unterstützung der Atemwege. Fenchel hat schleimlösende Eigenschaften und wird häufig bei Erkältungen und Husten eingesetzt. Die Kombination aus Fenchelextrakten, Thymian, Pfefferminze, Kiefernsprossen und Honig, ist ein beliebtes Naturheilmittel zur Linderung von Atemwegsbeschwerden wie bspw. Husten..
Fenchel in der Küche und seine gesundheitlichen Vorteile
Wie die meisten anderen Heilpflanzen hat auch Fenchel seinen festen Platz auf dem Einkaufszettel vieler Köche. Das liegt neben der besonderen Geschmacksnote auch daran, dass sich die verschiedenen Teile der Pflanze – Samen, Blätter und Knollen – in einer Vielzahl von Gerichten einbringen lassen. Fenchelsamen sind ein häufiger Bestandteil von Gewürzmischungen und Brot, während die frischen Blätter als Kräuter in Salaten und Soßen verwendet werden. Die Knolle kann roh, gebraten oder gedünstet genossen werden und verleiht Gerichten einen süßen, anisartigen Geschmack.
Wer bisher um Fenchel einen Bogen gemacht hat, sieht diese vielseitige Pflanze jetzt vielleicht mit anderen Augen.